Geschichte

Rentei am Rathaus in Niederzier


898  
Erste urkundliche Erwähnung als "Curnilio" und

922  
als "Cyrina". "Cyrina" galt anfänglich für Niederzier und Oberzier.

Im 12. Jhrdt.
werden Niederzier und Oberzier nachweislich als selbständige Gemeinden erwähnt -

bis 1794
unter Herrschaft der Jülicher Grafen.

1794
Franzosen besetzen Niederzier -

1797
Mairie Niederzier und Oberzier.

1814/15
erfolgte durch den Wiener Kongreß eine neue Gebietseinteilung. Niederzier kam zu Preußen.

1816
Zuordnung der Bürgermeisterei Niederzier mit den Orten Niederzier und Oberzier zum Großherzogtum Niederrhein, zum Regierungsbezirk der Königl. Regierung zu Aachen und zum landräthlichen Kreis Düren.

1928
Amt Niederzier mit den Gemeinden Niederzier und Oberzier.

1969
Freiwilliger Zusammenschluss der Gemeinden Niederzier und Oberzier zur Gemeinde Niederzier mit gleichzeitiger Auflösung des Amtes Niederzier.

1.1.1972
Kommunale Neugliederung und Zusammenschluss der Gemeinden Niederzier, Ellen (Amt Merzenich), Huchem Stammeln und Selhausen (Amt Birkesdorf), Hambach und Lich Steinstraß (Amt Stetternich) sowie dem Ortsteil Krauthausen der Stadt Jülich zur Gemeinde Niederzier.

1.1.1992
Abschluss der tagebaubedingten Umsiedlung Lich Steinstraß nach Jülich und Niederzier.

30.9.1999
Ende des dualen Systems von ehrenamtlichem Bürgermeister als Vorsitzender des Rates und hauptamtlichem Gemeindedirektor als Leiter der Verwaltung.

1.10.1999
Durch die Bevölkerung gewählter hauptamtlicher Bürgermeister als Vorsitzender des Rates und Leiter der Verwaltung.

Aus der Geschichte
Seit der kommunalen Neugliederung des Raumes Aachen zum 1.1.1972 besteht die Gemeinde Niederzier aus den neun Ortschaften Ellen, Hambach, Huchem-Stammeln, Krauthausen, Lich, Niederzier, Oberzier, Selhausen und Steinstraß. Mit dem Aufschluss des Tagebaues Hambach im Jahre 1978 erfolgte Zug um Zug die Umsiedlung der Ortschaften Lich und Steinstraß, deren Bevölkerung überwiegend im Jülicher Stadtteil "Neu-Lich-Steinstraß" eine neue Heimat fand.

Die Gemeinde Niederzier liegt zwischen der Rur im Westen, der Bundesautobahn A 4 im Süden, dem Tagebau Hambach mit den Resten des Bürgewaldes im Osten und den weiten Feldern des Jülicher Landes im Norden. Von Süden nach Norden fließt durch das Gemeindegebiet der Ellebach, in dessen fruchtbarer Niederung in der geographischen Mitte der Zentralort Niederzier gelegen ist, der unserer Gemeinde den Namen gibt.

Die älteste urkundliche Erwähnung eines Ortsteils der Gemeinde Niederzier geht auf den 20. Oktober 871 zurück. An diesem Tag bestätigt König Ludwig der Deutsche dem Kloster Prüm Besitzungen, u.a. einen Herrenhof in "villa Berga". Im Zusammenhang mit anderen Urkunden, insbesondere dem Prümer Urbar von 893, ist unzweifelhaft, dass es sich dabei um den Weiler Berg bei Niederzier handelt.

Die beiden Orte Niederzier und Oberzier, bereits im 12. Jahrhundert nachweisbar, sind bis zum 14. Jahrhundert anhand der schriftlichen Quellen kaum auseinanderzuhalten. In der ältesten überlieferten Form erscheint im Jahre 922 die Ortsbezeichnung "Cyrina". Ob das 898 erwähnte "Curnilo mit (Nieder- oder Ober)Zier in Verbindung gebracht werden kann, ist unsicher. Seit dem 13. Jahrhundert sind verschiedene Namensträger eines jülichschen Ministerialgeschlechtes belegt, die nach ihrer Herkunft benannt sind (de Zeyrne, de Cyrne, de Zyrne).

Lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung war unsere Region von Menschen besiedelt. Zeugnis davon legen die umfangreichen archäologischen Funde ab, die bis in die Steinzeit zurückreichen. Sie wurden durch den Aufschluss des Tagebaus Hambachs entdeckt und konnten somit der Öffentlichkeit präsentiert werden. Zu den prachtvollsten gehört sicherlich der so genannte Goldschatz von Hambach, der in die Zeit um 100 v.Chr. datiert wird. Diese Gegenstände, die wohl aus einer Eburonensiedlung stammen, weisen Gemeinsamkeiten mit Objekten aus westlichen und südlichen Regionen auf und verbinden so das niederrheinische Gebiet mit von den Kelten besiedelten Landschaften.

Bis zum Einmarsch der Franzosen in das linksrheinische Gebiet im Herbst 1794 gehörten die Ortschaften der heutigen Gemeinde Niederzier unter pfalzbayrischer Hoheit zum Herzogtum Jülich. Ellen, Hambach, Huchem, Krauthausen, Niederzier, Selhausen und Stammeln gehörten verwaltungsmäßig zum Dingstuhl Hambach, der dem Amtmann des Amtes Nörvenich unterstand. Oberzier gehörte zur Kellnerei Hambach im Amt Düren.

Mit der Besetzung des linksrheinischen Gebietes durch die Franzosen zwischen 1794 und 1814 kam auch die Niederzierer Region unter französischer Verwaltung. Für die Bevölkerung begannen schwere Zeiten der Unterdrückung durch Requisitionen, Kontributionen und Einquartierungen. Die Besatzungszeit war darüber hinaus geprägt von einem steten Wandel in der Organisation der zentralistisch orientierten Verwaltung. Behörden und Verwaltungsstrukturen wurden errichtet, wieder aufgelöst und durch andere ersetzt. Letztlich setzte sich die Einteilung in Departements, Arrondissements, Kantone, Mairien und Communes durch.

Seit 1802 gehörten
Niederzier und Oberzier zur Mairie Niederzier,
Ellen zur Mairie Arnoldsweiler,
Huchem, Stammeln, Krauthausen, Selhausen zur Mairie Birkesdorf,
Hambach zur Mairie Hambach.


An der Verwaltungsspitze stand ein Maire, dem ein Agent zur Seite gestellt wurde. Schließlich beendeten die militärischen Erfolge der Verbündeten im Januar 1814 die französische Herrschaft.
Durch die Neuordnung der europäischen Landkarte auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 kamen die Rheinlande zu Preußen. Düren wurde Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im 1816 neu gebildeten Regierungsbezirk Aachen. Die französische Verwaltungsstruktur wurde weitgehend beibehalten. Die Bürgermeisterei Niederzier, ab 1928 nach einer Änderung des Gemeindeverfassungsrechts als "Amt" bezeichnet, umfasste Niederzier und Oberzier und hatte bis zum Jahre 1969 Bestand. Zum 1.1.1969 schlossen sich die beiden Gemeinden unter gleichzeitiger Auflösung des Amtsverbandes zu einer amtsfreien Gemeinde zusammen Damit war eine wesentliche Grundlage für die Entscheidung des Landesgesetzgebers bei der Neuordnung des Raumes Aachen vom 14.12.1971 gegeben. Mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes zum 1. Januar 1972 schlug die Geburtsstunde der heutigen Gemeinde Niederzier, die wohl eine der schwierigsten neuen Gemeindegebilde war. Gemeinden und Gemeindeteile aus fünf verschiedenen Verwaltungsbezirken und zwei verschiedenen Kreisen wurden zur neuen amtsfreien Gemeinde Niederzier zusammengeschlossen. In den sieben Ortschaften leben heute rd. 14.900 Einwohner. Die Wasserburg Niederzier wurde 1921 von der Gemeinde erworben und in der Folge umfangreich repariert und umgebaut. Sie dient seit dieser Zeit als Verwaltungssitz. 400 Jahre lang war die Burg im Besitz der Familie von Hochsteden gewesen. Nach der Zerstörung durch französische Truppen um 1674 ist im Jahre 1698 das Herrenhaus und 1765 die Vorburg wieder aufgebaut worden. Ein zweites Mal wurde die Burg durch die Kämpfe an der Rurfront am 11. Februar 1945 zerstört. Nach vollzogenem Wiederaufbau nahm die Amtsverwaltung am 6. Oktober 1954 ihr Domizil wieder in Besitz.

In den Jahren 1975 und 1976 erfolgte die Erweiterung der Burg als Verwaltungssitz durch einen architektonisch geschmackvoll angepassten Erweiterungsbau.

Die geographische Lage der Gemeinde zwischen den Städten Düren und Jülich zwingt auch zukünftig in besonderem Maße, Einrichtungen der Daseinsvorsorge zu schaffen, die heute auch die Bürgerinnen und Bürger im ländlich geprägtem Bereich erwarten. Hierfür bieten die Folgemaßnahmen des 1978 aufgeschlossenen Tagebaus Hambach – eine der bedeutendsten Braunkohlevorkommen in der Bundesrepublik - weitere Entwicklungsmöglichkeiten, so dass auch künftig entgegen der allgemeinen demografischen Entwicklung Wachstum an Bevölkerung und Gewerbe angestrebt wird.

Gewerbegebiet Rurbenden
Der Schwerpunkt der gewerblichen Entwicklung der Gemeinde Niederzier liegt mit dem Gewerbegebiet „Rurbenden“ in der Ortschaft Huchem-Stammeln, wo sich über 40 Gewerbebetriebe, die sich überwiegend auf das verarbeitende Gewerbe, den Handel und den Dienstleistungsbereich erstrecken, auf einer Fläche von ca. 60 ha niedergelassen haben. Eine Erweiterungsfläche von ca. 25 ha wird östlich der Bahnlinie in den nächsten Jahren nach Bedarf fortentwickelt.

Das Gewerbegebiet „Rurbenden“ liegt verkehrsgünstig. Über den direkten Anschluss an die B 56 beträgt die Entfernung zur Autobahnauffahrt Köln-Aachen weniger als 1 km.

Leistungsschau
Seit dem Jahre 1986 veranstalten die im Gewerbegebiet Rurbenden ansässigen Gewerbebetriebe jährlich in der Regel am 2. Sonntag im September eine „Leistungsschau“, die sich mit den Jahren zu einer beliebten regionalen Gewerbeschau für die ganze Familie entwickelt hat und tausende von Besuchern zählt.

Zur Geschichte der Gemeinde Niederzier und ihrer Ortschaften sei auf folgende Literatur verwiesen:

• 1100 Jahre Niederzier-Hambach-Berg 893-1993, 1993
• Peter Marx, Niederzier. Zeittafel zu seiner Geschichte 893-1975, Niederzier 1992
• Peter Marx, Niederzier. Zeittafel zu seiner Geschichte 871-1975. Erste Ergänzung, Niederzier 1996
• Robert Engelmann, Helmut Jerusalem, Helmut Krebs
   Die Flur- und Straßennamen der Gemeinde Niederzier, Niederzier 1997
• Niederzier. Erinnerungen in alten Bildern, Niederzier 1982
• Heinrich Candels, Ellen. Geschichte des Dorfes und des Klosters der Prämonstratenserinnen,
   Mönchengladbach 1979
• Ludger Horstkötter, Das Kloster der Prämonstratenserinnen zu Ellen, Düren 1990.
• Georg Haskamp, Ober-Cyrin. Eine Chronik, Mönchengladbach 1967
   Niederzier, im Juli 2005

 

Geschichte

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